Licht, das den Bedürfnissen der Menschen folgt. Interview mit Tobias Link, Plug & Light Konzeptdesigner

Licht, das den Bedürfnissen der Menschen folgt. Interview mit Tobias Link, Plug & Light Konzeptdesigner

Ein Interview mit Tobias Link, Konzeptdesigner von Plug & Light

Das Lichtplanungsbüro Tobias Link wurde 1991 in Saarbrücken gegründet. Tobias Link und sein Partner Oliver Link entwickeln maßgeschneiderte Lösungen – Lichtsysteme, Objekte und Installationen für internationale Kunden und ein breites Anwendungsspektrum.

Wie sind Sie zum Konzeptdesigner von Plug & Light geworden?

Wir kooperieren schon lange mit Insta. Wir haben zum Beispiel die Leuchte „instalight No limit“ zusammen kreiert. Ein Modulbaukasten, mit dem man auf einfache Weise viele unterschiedliche Beleuchtungslösungen realisieren kann. Ein erfolgreiches Projekt. So fragte Insta an, ob ich Lust hätte, mich mit dem Thema „Licht aus der Steckdose“ zu befassen. – Eine fantastische Aufgabe!

Wie sind Sie vorgegangen? 

Wir haben zunächst Use Cases erstellt, uns dabei quer durchs Haus gearbeitet um zu erforschen: wo überall sind Unterputzdosen im Einsatz? Wo – an welchen Positionen an denen Schalter- und Schalterequippment vorkommen – macht es Sinn, mit Licht zu agieren?  Wir haben Lumenströme ermittelt: Wie hoch ist ein Lumenpaket, das eine LED erzeugen kann, die in der Unterputzdose verbaut ist und wie zweckmäßig ist es, damit gerichtetes oder diffuses Licht zu erzeugen. Und: Was möchte ich damit erreichen? Welche Einsatzmöglichkeiten gibt es? 

Zwei Optionen haben wir zum Aufstecken auf die Lichtsteckdose herausgearbeitet: einen klassischen Strahler. Und eine Leuchte mit asymmetrischem Ausstrahlwinkel, den Fluter. 

Wie sind Sie auf die Steckidee mit den drei Ringen gekommen, die ja auch Plug & Light Markenzeichen ist?

Der Aufbau der Lichtsteckdose ist inspiriert von einem Designkonzept für eine Schreibtischleuchte, das ich unbedingt einmal umsetzen wollte: Leuchtenfuß, -arm, und -kopf sollten dabei in schlichter Formensprache in verschiedenen Oberflächen und Farben erhältlich sein. Der Kunde sollte die Leuchte nach belieben zusammenstellen können: glänzend schwarzer Fuß, matt schwarzer Arm, kupferfarbener Kopf oder ähnlich. Das Zusammenbauen der Leuchte sollte ganz ohne Handwerkszeug funktionieren. So habe ich die Steckidee mit den drei konzentrischen Magnetringen entwickelt. Die Leuchte ist nie produziert worden – ich habe jedoch immer nach Anwendungsmöglichkeiten für diese innovative Steckidee gesucht. Die kam bei Plug & Light. Es passt optimal und ist jetzt modifiziert und perfektioniert worden. 

Wo im Wohnraum kommen die Leuchten am besten zum Einsatz?

Überall! – Während der Entwicklung haben wir beispielhaft ein ganzes Hotelzimmer beleuchtet: Über den asymmetrischen Fluter lässt sich der Flur blendfrei beleuchten, sofort entsteht eine gemütliche Atmosphäre! Man kann den Fluter genauso im Bad am Waschtisch, am Spiegel einsetzen. Wenn man ihn zu 180 zur Decke dreht auch als Deckenfluter. Der Strahler wird zur perfekten Leseleuchte am Bett und eignet sich gleichermaßen für die Decke oder auch zum Akzentuieren. Damit kann man ein Hotelzimmer komplett beleuchten. 

Welche Vorteile bietet Plug & Light aus der Designperspektive?

Die gesamte Lichtinstallation eines Gebäudes ist nun in einer durchgehenden Formensprache und mit einheitlichen Materialien möglich – vom Schalter, über die Leuchten an der Wand bis hin zu den Leuchten an der Decke. Das ist völlig neu! – Ein Schaltersystem ist im Wohnraum ja immer vorhanden. Dass man nun dazu passend und ohne Materialwechsel die Leuchten und Installation bekommt, das zahlt ein auf die Wünsche vieler Architekten und Designer. – Denn das bedeutet mehr Gestaltungsfreiraum für die weitere Interior-Planung. Eine neue architektonische Qualität.

Plug & Light bringt Flexibilität auf vielen Ebenen…

Zum Beispiel auch in Planung und Montage. Wichtig war es, dass das System Akzeptanz beim Installateur findet. Denn oft sucht der Elektroinstallateur das Schalterdesign für eine Wohnung aus. Ihn interessiert: Wie kann man alles möglichst schnell installieren? – Bei Unklarheiten kann der Handwerker nun einfach ein paar mehr Lichtsteckdosen installieren, etwa in der Küche. Vielleicht braucht man dort mal mehr Licht. Man ist flexibel ohne den Bohrer nochmals ansetzten zu müssen. 

Sicher braucht es noch ein Bewusstsein dafür, dass mit Plug & Light vieles möglich ist. Dass eine neue Flexibilität entsteht, die man leben kann, aber nicht muss. Die gesamte Handhabung ist sehr einfach. An der Lichtsteckdose kann man dank Magnet einen Strahler sekundenschnell und ohne Werkzeug durch eine Pendelleuchte austauschen.– Bei herkömmlicher Beleuchtung wäre dabei aufwändige Montage nötig. 

So kann man künftig im Hotelzimmer, im Büro, im eigenen Zuhause immer wieder spielend leicht neue Akzente setzen..

Ja, das ist sehr praktisch. Man muss die Leuchte nur abziehen. Wenn dann noch neue Aufsätze dazukommen, kann man im Handumdrehen einen völlig neuen Stil oder eine andere Atmosphäre im Interior kreieren. 

An welchen anderen Projekten arbeiten Sie derzeit noch?

Aktuell arbeiten wir an Lichtkonzepten für mehrere Einkaufszentren in Köln, München, Chemnitz und Leipzig. Außerdem sind wir im Bereich Luxus- und Wellnesshotels tätig. Hier entsteht gerade ein spannendes Projekt in der Nähe von Freiburg. Licht hat ja viele Aspekte – im Bereich der künstlerischen Anwendung von Licht entwerfen wir gerade eine Fassadeninszenierung für das Grand Theatre der Stadt Luxemburg. Es gibt aber auch kleinere spannende Projekte, wie z.B. den Stadtpark in Merzig, bei dem wir gänzlich neue Wege gehen.

Welche allgemeinen Trends beobachten Sie im Bereich der Beleuchtung?

Licht macht hell – lautete einmal die Devise. Irgendwann kam dann  eine Phase, in der wir uns auf das Stromsparen durch LEDs konzentriert haben. Das ist inzwischen weltweit auf den Weg gebracht. Jetzt geht es um maßgeschneiderte Beleuchtung in den unterschiedlichsten Bereichen. Das Licht folgt situativ den Bedürfnissen der Menschen. Farbige Beleuchtung wird ein Thema in der Medizin – zum Beispiel bei Alzheimer Patienten. In Pflegeheimen, wo man Gebäudebereiche unterschiedlich in Licht eintaucht, um Orientierung zu schaffen.

Lichtkonzepte werden spezifischer. Sie werden feiner, differenzierter. Da wird in den nächsten Jahren einiges passieren: Man wird die Farbtemperatur direkt an der Leuchte verstellen können, damit sie beispielsweise kurzwelliger wird – so können ältere Menschen besser lesen.

Lichtplanern kommt in Zukunft also eine essentielle Aufgabe zu..

Das Arbeitsspektrum ist sehr weit. Wir entwickeln Beleuchtungskonzepte von zurückhaltend, auf die biologischen Bedürfnisse fokussiert, bis hin zu opulent inszeniert wie im Theater. Wir sind ein bisschen Innenarchitekten, kennen uns mit Lichttechnik aus. Wir gucken aber auch auf die psychologische Seite. Es geht bei der Gestaltung mit Licht nicht nur um das Einhalten von DIN-Werten und darum, dass es schön aussieht. Sondern auch um das Lichtklima. Der Mensch soll sich wohl fühlen. Das muss stimmen, angepasst an den jeweiligen Anwendungszweck. Auch bei Plug & Light spielte diese Thematik eine entscheidende Rolle: Braucht der Mensch das alles? Wie fühlt er sich mit dieser Beleuchtung, wenn das so oder so eingesetzt wird? Uns ging es vornehmlich um die Lichtwirkung im Raum. Weniger um die Leuchte. Daher ist alles sehr reduziert gestaltet. Der Grundansatz lautete: Reduktion von Formensprache, Multiplikation von Lichtwirkung im Raum. – Wir können das Licht nicht berühren. Aber es berührt uns!

– Plug & Light gibt Nutzern die Sicherheit, direkt eine wunderbar angenehme Lichtwirkung zu schaffen. 

Danke für das Gespräch, Herr Link.

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